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Verantwortungsvoller Tourismus

Verantwortungsvoller Tourismus & die UN-Nachhaltigkeitsziele: Wie Reisen den globalen Fortschritt vorantreibt

Von Steven Keen

MSc-Student in Responsible Tourism Management, GSTC- und ICRT-zertifiziert

17 Min. Lesezeit Updated on Sources verified on

Tourismus ist nicht bloß eine Branche – er ist ein wirkungsvolles Werkzeug, um die ehrgeizigsten Ziele der Welt zu erreichen. Von der Beendigung der Armut bis zum Schutz der Meere berührt der Tourismus alle 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). So funktioniert es.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Tourismus wird in drei SDG-Zielvorgaben genannt—8.9, 12.b, 14.7—und ist mit allen 17 verbunden.
  • Er schafft viele Arbeitsplätze in Entwicklungsländern—zentral für die Beendigung der Armut (SDG 1) und menschenwürdige Arbeit (SDG 8).
  • Wirkung zählt nur, wenn sie an echten Indikatoren gemessen wird, nicht an Marketingaussagen.
  • Anbieter können konkrete Maßnahmen den SDG-Zielvorgaben zuordnen und darüber berichten.

Die Verbindung von Tourismus und SDGs

Im Jahr 2015 nahmen alle 193 UN-Mitgliedstaaten die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung an1—einen universellen Plan für Frieden und Wohlstand. In ihrem Kern stehen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), die jeweils zentrale Herausforderungen angehen, von Armut und Ungleichheit bis zu Klimawandel und dem Verlust der biologischen Vielfalt.

Der Tourismus wird in drei SDG-Zielvorgaben ausdrücklich genannt:2

  • SDG 8.9 Eine Politik konzipieren und umsetzen, die nachhaltigen Tourismus fördert, der Arbeitsplätze schafft sowie lokale Kultur und Produkte stärkt.
  • SDG 12.b Instrumente entwickeln und einsetzen, um die Auswirkungen eines nachhaltigen Tourismus, der Arbeitsplätze schafft sowie lokale Kultur und Produkte stärkt, auf die nachhaltige Entwicklung zu überwachen.
  • SDG 14.7 Bis 2030 den wirtschaftlichen Nutzen, der kleinen Inselentwicklungsländern (SIDS) und am wenigsten entwickelten Ländern aus der nachhaltigen Nutzung mariner Ressourcen erwächst—unter anderem durch nachhaltiges Management von Fischerei, Aquakultur und Tourismus—erhöhen.

Doch diese drei Zielvorgaben kratzen nur an der Oberfläche. UN Tourism (vormals UNWTO) hat den Tourismus als bedeutsamen Beitragenden zu allen 17 SDGs identifiziert.3 Warum? Weil der Tourismus in einzigartiger Weise dazu geeignet ist, Wandel anzustoßen:

  • Er bezieht Gemeinschaften unmittelbar ein—von abgelegenen Dörfern bis zu Megastädten
  • Er erwirtschaftet Devisen, besonders für Entwicklungsländer
  • Er schafft wirtschaftliche Anreize, das Natur- und Kulturerbe zu schützen
  • Er fördert interkulturelles Verständnis und Frieden
  • Er bietet Frauen, jungen Menschen und benachteiligten Gruppen einen niedrigschwelligen Einstieg

Die Frage ist nicht, ob der Tourismus die SDGs beeinflusst—sondern ob dieser Einfluss positiv oder negativ ist. Genau das ist verantwortungsvoller Tourismus: die Disziplin, die ihn bewusst positiv macht statt zufällig.

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Tourismus und alle 17 Ziele

Erkunde unten die Verbindung des Tourismus zu jedem Ziel—und sieh, wie wenige ihn ausdrücklich nennen.

Wähle eines der 17 SDGs

Enthülle seine offizielle UN-Farbe und sieh, wie der Tourismus damit verbunden ist. Nur drei SDGs – SDG 8, SDG 12 und SDG 14 – erwähnen den Tourismus ausdrücklich.

Tourismus ist – direkt oder indirekt – mit jedem der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung verbunden und wird in den Zielvorgaben von dreien ausdrücklich genannt (SDG 8, 12 und 14). Quelle(n): UN Tourism; Tourism and the SDGs (tourism4sdgs.org); Vereinte Nationen (2015); Transforming our world: the 2030 Agenda for Sustainable Development (A/RES/70/1); SDG 8.9, 12.b, 14.7. Belegschaftszahl: UN Tourism & UN Women (2019). Wasserzahl: Gössling et al. (2012). Emissionszahl: Lenzen et al. (2018).
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SDGs, bei denen der Tourismus den größten Unterschied macht

Der Tourismus berührt zwar alle 17 Ziele, doch am unmittelbarsten und messbarsten wirkt er in den folgenden Bereichen. Jeder Abschnitt erläutert die Verbindung, nennt Beispiele aus der Praxis und bietet bewährte Vorgehensweisen für Reisende und Anbieter.

SDG 1: Keine Armut

Der Tourismus ist eine der wenigen Branchen, die Arbeit und Einkommen direkt in ländliche und küstennahe Gemeinschaften bringen kann, in denen formelle Beschäftigung knapp ist. Wenn Besucher in einem Bergdorf übernachten oder in einer familiengeführten Taverne essen, fließt das Geld direkt zu den Menschen, die es am dringendsten brauchen.

Beispiele aus der Praxis: Gemeindebasierter Tourismus in Nepal bringt Trekking-Einkommen in Himalaya-Dörfer. Strand-Ökotourismus auf Bali finanziert lokale Kooperativen. Agrotourismus auf Kreta verbindet Bäuerinnen und Bauern mit Reisenden, die direkt bei ihnen kaufen.

Bewährte Vorgehensweisen: Stelle lokal ein. Beziehe Lebensmittel, Material und Dienstleistungen bevorzugt vor Ort. Zahle faire Löhne über dem regionalen Mindestlohn. Unterstütze gemeinschaftseigene Betriebe, statt konkurrierende aufzubauen.

SDG 5: Geschlechtergleichheit

Frauen stellen laut UN Tourism und UN Women 54 % der weltweiten Tourismusbelegschaft4—deutlich mehr als die rund 39 %, die Frauen in der gesamten Weltwirtschaft halten—auch wenn ihr Anteil je nach Region stark schwankt und sie unverhältnismäßig häufig in geringer qualifizierten, schlechter bezahlten Positionen tätig sind. Verantwortungsvoller Tourismus arbeitet aktiv daran, das zu ändern, indem er Führungschancen schafft und gleiche Bezahlung sicherstellt.

Beispiele aus der Praxis: Von Frauen geführte Gästehäuser in Marokko verschaffen eigenes Einkommen und gesellschaftliches Ansehen. Safari-Führerinnen in Kenia stellen traditionelle Rollenbilder infrage und bieten zugleich herausragende Erlebnisse. Handwerkskooperativen von Frauen in Guatemala schaffen wirtschaftliche Unabhängigkeit durch handwerklichen Tourismus.

Bewährte Vorgehensweisen: Sorge für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit. Schaffe Wege in Führungs- und Managementpositionen. Erhalte ein sicheres, von Belästigung freies Arbeitsumfeld. Unterstütze und fördere Tourismusbetriebe in Frauenhand.

SDG 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Auf den Tourismus entfällt etwa jeder zehnte Arbeitsplatz weltweit.5 Doch Arbeitsplätze allein genügen nicht—die Qualität dieser Arbeit zählt ebenso. Saisonale, informelle oder ausbeuterische Beschäftigung im Tourismus bringt die SDGs nicht voran. Menschenwürdige Arbeit bedeutet stabile Beschäftigung, faire Löhne und Chancen auf berufliche Entwicklung.

Beispiele aus der Praxis: Ganzjährige Beschäftigungsprogramme in Nebensaison-Zielen mildern den Kreislauf aus Überfluss und Mangel. Qualifizierungsprogramme im Gastgewerbe schaffen Laufbahnen statt Sackgassen. Fair-Trade-Tourismus-Zertifizierungen (etwa Fair Trade Tourism in Südafrika) stellen sicher, dass Anbieter Arbeitsstandards einhalten.

Bewährte Vorgehensweisen: Biete unbefristete Verträge statt reiner Saisonarbeit. Investiere in Schulung und berufliche Weiterentwicklung. Zahle existenzsichernde Löhne, nicht nur Mindestlöhne. Unterstütze lokale Handwerker und Zulieferer als Teil der touristischen Wertschöpfungskette.

SDG 10: Weniger Ungleichheiten

Der Tourismus kann Gräben überbrücken—zwischen städtischen und ländlichen Wirtschaften, zwischen wohlhabenden Besuchern und einkommensschwachen Gemeinschaften, zwischen Reisenden mit und ohne Behinderung. Er kann sie aber auch vertiefen, durch Gentrifizierung, Verdrängung und Ausgrenzung. Der Unterschied liegt darin, wie der Tourismus gestaltet und gesteuert wird.

Beispiele aus der Praxis: Barrierefreier Tourismus für Menschen mit Behinderung öffnet Reiseziele für Millionen zuvor ausgeschlossener Reisender. Von Indigenen geführter Tourismus in Kanada (etwa Klemtu in British Columbia) stellt sicher, dass First-Nations-Gemeinschaften ihre eigenen Geschichten bestimmen und wirtschaftlich profitieren.

Bewährte Vorgehensweisen: Gestalte touristische Angebote von Anfang an barrierefrei—nicht als nachträglichen Zusatz. Sorge für eine gerechte Verteilung des Nutzens zwischen Anbietern und Gemeinschaften. Verhindere aktiv tourismusbedingte Verdrängung und Gentrifizierung. Beziehe benachteiligte Gruppen in die Tourismusplanung und in Entscheidungen ein.

SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden

Der Tourismus kann Stadtviertel beleben, öffentliche Infrastruktur finanzieren und kulturelle Identität feiern. Er kann aber auch Overtourism verursachen—Anwohner überfordern, öffentliche Räume verschleißen und Wohnraum in Kurzzeitvermietungen verwandeln. Nachhaltige Städte brauchen ein Tourismusmanagement, das die Anwohner an erste Stelle setzt.

Beispiele aus der Praxis: Amsterdams anwohnerorientierte Tourismuspolitik lenkt Besucher in weniger besuchte Viertel. Die Verkehrsberuhigung historischer Stadtzentren (wie in Dubrovnik und Ljubljana) verbessert die Lebensqualität für Anwohner und Besucher gleichermaßen. Gemeinschaftsfonds in Venedig leiten Tourismuseinnahmen direkt in lokalen Wohnraum und in Dienstleistungen.

Bewährte Vorgehensweisen: Entwickle Reiseziel-Managementpläne mit echter Beteiligung der Anwohner. Setze Besucherobergrenzen in Spitzenzeiten. Investiere Tourismuseinnahmen direkt in öffentliche Leistungen—Nahverkehr, Parks, Stadtreinigung. Fördere die Verteilung auf weniger besuchte Gegenden, statt Besucher an Hotspots zu konzentrieren.

SDG 12: Nachhaltiger Konsum und Produktion

Der Tourismus verbraucht enorme Mengen an Wasser, Energie, Lebensmitteln und Material. Ein einziges Resort kann pro Tag mehr Wasser verbrauchen als ein ganzes Dorf.6 Nachhaltiger Konsum im Tourismus bedeutet, Prinzipien der Kreislaufwirtschaft zu übernehmen—Abfall an der Quelle zu vermeiden, Material wiederzuverwenden und lokal zu beschaffen.

Beispiele aus der Praxis: Hotels, die Einwegplastik abschaffen und auf Nachfüllspender umstellen. Farm-to-Table-Restaurants, die ausschließlich von lokalen Erzeugern beziehen. Abfallfreie Unterkünfte auf den Azoren. Öko-Lodges, die vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden.

Bewährte Vorgehensweisen: Miss Abfall, Wasser und Energie und berichte öffentlich darüber. Beziehe Lebensmittel möglichst lokal und biologisch. Biete pflanzliche und vegetarische Gerichte als Standard an, nicht als Ausnahme. Übernimm Prinzipien der Kreislaufwirtschaft—reparieren, wiederverwenden und recyceln vor dem Wegwerfen.

SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz

Auf den Tourismus entfallen schätzungsweise 8 bis 9 % der weltweiten Treibhausgasemissionen7 (etwa 8,8 % im Jahr 2019),8 wobei der Verkehr—besonders der Flugverkehr—den größten Anteil ausmacht. Das ist die unbequemste Wahrheit für die Reisebranche: Gerade das Zurücklegen großer Entfernungen trägt zur Klimakrise bei. Verantwortungsvoller Tourismus stellt sich dem ehrlich.

Beispiele aus der Praxis: Kampagnen für Bahnreisen in ganz Europa ermutigen Besucher, Flüge zugunsten von Überlandreisen zu meiden. Geprüfte Programme zur CO₂-Kompensation finanzieren Aufforstung und erneuerbare Energien. Solarbetriebene Unterkünfte beenden die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Slow-Travel-Bewegungen ermutigen zu längeren Aufenthalten an weniger Orten.

Bewährte Vorgehensweisen: Bevorzuge CO₂-arme Verkehrsmittel—Bahn, Bus, Rad, zu Fuß. Reduziere Kurzstreckenflüge und ermutige zu Überlandalternativen. Unterstütze Anbieter, die klimaneutral sind oder ihre Emissionen aktiv senken. Praktiziere Slow Travel: bleibe länger, reise seltener, entdecke tiefer.

SDG 14: Leben unter Wasser

Küsten- und Meerestourismus ist die wirtschaftliche Lebensader kleiner Inselentwicklungsländer (SIDS) und vieler Küstengemeinschaften. Gut gemacht, finanziert er den Meeresschutz und schafft wirtschaftliche Alternativen zur Überfischung. Schlecht gemacht, schädigt er genau die Ökosysteme, deretwegen die Besucher kommen.

Beispiele aus der Praxis: Durch Tauchgebühren finanzierte Meeresschutzgebiete in Palau und auf Bonaire verknüpfen Tourismuseinnahmen direkt mit dem Schutz der Ozeane. Nachhaltige Walbeobachtung in Island und auf den Azoren hält strikte Abstands- und Zeitgrenzen ein, um Störungen zu minimieren. Vorschriften für riffschonende Sonnencreme auf Hawaii und in Palau schützen Korallenökosysteme.

Bewährte Vorgehensweisen: Befolge Berührungsverbote beim Schnorcheln oder Tauchen an Korallen. Verwende ausschließlich riffschonende, mineralische Sonnencreme. Unterstütze Meeresschutzgebiete durch Eintrittsgebühren und Spenden. Wähle zertifizierte Tauchanbieter, die verantwortungsvolle Verhaltensregeln befolgen.

SDG 15: Leben an Land

Naturtourismus schafft starke finanzielle Anreize, Wälder, Feuchtgebiete, Berge und Wildtiere zu schützen. Wenn ein Nationalpark Einnahmen aus dem Besuch erzielt, haben Regierungen einen wirtschaftlichen Grund—nicht nur einen ethischen—ihn zu schützen. Doch der Tourismus muss sorgfältig gesteuert werden, um die Natur nicht zu Tode zu lieben.

Beispiele aus der Praxis: Eintrittsgebühren für Nationalparks in Costa Rica und Kenia finanzieren Ranger-Patrouillen und die Wiederherstellung von Lebensräumen. Gemeinschaftsschutzgebiete in Namibia geben lokalen Gemeinschaften direkte Kontrolle über Wildtiermanagement und Tourismuseinnahmen. Aufforstungstourismus lädt Besucher ein, im Rahmen ihrer Reise Bäume zu pflanzen. Wildtierkorridore in Indien verbinden zerschnittene Lebensräume, teils finanziert durch Ökotourismus.

Bewährte Vorgehensweisen: Bleibe auf markierten Wegen, um empfindliche Ökosysteme nicht zu stören. Unterstütze Öko-Lodges und Parks, die Einnahmen in den Naturschutz reinvestieren. Meide schädliche Wildtierinteraktionen—kein Elefantenreiten, kein Berühren von Wildtieren, keine Shows mit gefangenen Tieren. Suche gezielt naturschutzorientierte Touren, die unmittelbar zum Schutz von Lebensräumen beitragen, und finanziere sie.

Die Wirkung des Tourismus auf die SDGs messen

Aussagen ohne Daten sind bloß Marketing. Wenn der Tourismus bedeutsam zu den SDGs beitragen soll, muss seine Wirkung gemessen, berichtet und unabhängig überprüft werden. Mehrere Rahmenwerke helfen dabei:

Statistisches Rahmenwerk von UN Tourism (SF-MST)

2024 vom Statistischen Ausschuss der Vereinten Nationen bestätigt und gemeinsam mit über 40 nationalen Statistikämtern entwickelt, ist das SF-MST die international vereinbarte Referenz zur Integration der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Dimensionen des Tourismus—das wichtigste Instrument, um den Beitrag des Tourismus zu den SDGs zu überwachen, und eine unmittelbare Antwort auf die Forderung von SDG 12.b, Instrumente zur Überwachung des nachhaltigen Tourismus zu entwickeln.9

Wirtschafts- und Sozialberichterstattung des WTTC (ESR)

Der World Travel & Tourism Council erfasst CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch, Abfallaufkommen und Beschäftigungsprofile in über 180 Ländern.5 Seine Jahresberichte liefern Vergleichswerte, an denen Reiseziele und Anbieter ihren Fortschritt messen können.

Kriterien des Global Sustainable Tourism Council (GSTC)

Der GSTC liefert die grundlegenden Standards für Nachhaltigkeit in Reise und Tourismus. Seine Kriterien umfassen vier Säulen: nachhaltiges Management, sozioökonomische Auswirkungen, kulturelle Auswirkungen und ökologische Auswirkungen.10 GSTC-akkreditierte Zertifizierungsprogramme (wie EarthCheck, Green Globe und Travelife) bestätigen, dass Anbieter diese Standards erfüllen.

SDG-orientierte Indikatoren für den Tourismus

Über allgemeine Rahmenwerke hinaus können konkrete Indikatoren den Beitrag des Tourismus zu einzelnen SDGs nachverfolgen:

  • SDG 5 Anteil der Frauen in Management- und Führungspositionen im Tourismus
  • SDG 8 & SDG 10 Anteil der Tourismuseinnahmen, der in der lokalen Wirtschaft verbleibt (gegenüber Abfluss an ausländische Anbieter)
  • SDG 13 CO₂-Emissionen pro Übernachtung—einschließlich Verkehr, Unterkunft und Aktivitäten
  • SDG 14 & SDG 15 Anzahl und Ausdehnung der durch Tourismuseinnahmen geförderten Schutzgebiete

Wie Reiseveranstalter sich an den SDGs ausrichten

Du musst nicht alle 17 Ziele angehen. Beginne mit denen, die für deinen Betrieb und dein Reiseziel am wichtigsten sind—unser Leitfaden für Anbieter geht auf jedes einzelne tiefer ein. Hier ist ein praktisches Vier-Schritte-Modell, und unser kostenloser Field Guide zeigt die Maßstäbe, an denen dich verantwortungsvolle Reisende heute messen.

1

Bestimme deine vorrangigen SDGs

Wähle 3 bis 5 SDGs, bei denen dein Betrieb die bedeutsamste Wirkung erzielen kann. Ein Küsten-Tauchanbieter konzentriert sich vielleicht auf SDG 14 (Leben unter Wasser), SDG 8 (menschenwürdige Arbeit) und SDG 13 (Klimaschutz). Ein Wanderunternehmen in den Bergen würde SDG 15 (Leben an Land), SDG 1 (keine Armut) und SDG 12 (nachhaltiger Konsum) priorisieren.

2

Setze messbare Ziele

Vage Absichten bewegen nichts. Verknüpfe jedes Ziel mit dem SDG, das es voranbringt—mit einer Zahl und einem Datum:

  • CO₂-Emissionen pro Reise bis 2027 um 20 % senken (SDG 13)
  • 50 % Frauen in Führungspositionen bis 2028 (SDG 5)
  • 80 % der Lebensmittel bis 2027 von lokalen Erzeugern beziehen (SDG 8, 12)
  • Einwegplastik innerhalb von 12 Monaten abschaffen (SDG 12, 14)
3

Umsetzen und kommunizieren

Schule deine Mitarbeitenden zu euren SDG-Verpflichtungen—sie sind eure Botschafter an vorderster Front. Berichte jährlich über den Fortschritt, auch wenn die Zahlen nicht perfekt sind (Transparenz schafft Vertrauen). Teile Geschichten mit deinen Gästen: Wenn Besucher verstehen, warum du Lebensmittel lokal beziehst oder Gruppengrößen begrenzt, werden sie selbst zu Fürsprechern verantwortungsvollen Tourismus.

4

Zusammenarbeiten

Kein einzelner Anbieter erreicht die SDGs allein. Schließe dich Initiativen wie Tourism Declares a Climate Emergency an, um Engagement zu zeigen und gemeinsame Ressourcen zu nutzen. Verbünde dich mit lokalen NGOs und Naturschutzorganisationen. Beteilige dich an den SDG-Planungsprozessen deines Reiseziels—wenn Anbieter, Behörden und Gemeinschaften an einem Strang ziehen, wird systemischer Wandel möglich.

Häufig gestellte Fragen

Wie trägt der Tourismus zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung bei?
Der Tourismus wird in drei SDG-Zielvorgaben ausdrücklich genannt – 8.9, 12.b und 14.7 – und ist mit allen 17 Zielen verbunden. Als führender Export- und Arbeitgebersektor vieler Entwicklungsländer ist er zentral für die Beendigung der Armut (SDG 1) und für menschenwürdige Arbeit (SDG 8), und er prägt unmittelbar die Ergebnisse bei Geschlechtergleichheit, weniger Ungleichheiten, nachhaltigem Konsum, Klimaschutz sowie Leben an Land und unter Wasser.
Welche SDGs sind für den Tourismus am wichtigsten?
Der Tourismus berührt alle 17, doch am unmittelbarsten und messbarsten wirkt er auf SDG 8 (menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum), SDG 11 (nachhaltige Städte und Gemeinden), SDG 12 (nachhaltiger Konsum und Produktion), SDG 13 (Klimaschutz), SDG 14 (Leben unter Wasser) und SDG 15 (Leben an Land).
Was besagen die SDG-Zielvorgaben 8.9, 12.b und 14.7?
Das sind die drei Zielvorgaben, die den Tourismus direkt nennen. Zielvorgabe 8.9 fordert eine Politik, die nachhaltigen Tourismus fördert, der Arbeitsplätze schafft sowie lokale Kultur und Produkte stärkt; 12.b betrifft die Entwicklung von Instrumenten zur Überwachung der Nachhaltigkeitswirkungen des Tourismus; und 14.7 zielt darauf, den wirtschaftlichen Nutzen für kleine Inselentwicklungsländer und am wenigsten entwickelte Länder aus der nachhaltigen Nutzung mariner Ressourcen – auch durch Tourismus – zu erhöhen.
Wie kann ein Reiseveranstalter sein Geschäft an den SDGs ausrichten?
Bestimme die Ziele, auf die du am stärksten wirkst, setze messbare Vorgaben mit Bezug zu konkreten SDGs, verfolge sie anhand echter Indikatoren und berichte transparent. Es geht um konkrete, gemessene Beiträge – nicht um Marketingaussagen.
Sind die SDGs dasselbe wie nachhaltiger Tourismus?
Nein. Die SDGs sind ein globaler Rahmen aus 17 Zielen, den 2015 alle UN-Mitgliedstaaten angenommen haben. Nachhaltiger Tourismus ist ein Mittel, mehrere dieser Ziele voranzubringen, und verantwortungsvoller Tourismus – die Entscheidungen, die Anbieter und Reisende tatsächlich treffen – ist der Weg, auf dem dieser Beitrag in der Praxis zustande kommt.

Fallstudie: CRETAN®

Die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung in den täglichen Tourismusbetrieb zu übersetzen, verlangt, messbare Wirkung mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit in Einklang zu bringen. Um zu zeigen, wie sich diese globalen Vorgaben auf lokale Wirklichkeiten übertragen, hier, wie CRETAN® seine Arbeit vor Ort an konkreten SDGs ausrichtet:

SDG 8 — Menschenwürdige Arbeit & Wirtschaftswachstum

  • Alle Guides sind einheimische Kreterinnen und Kreter, fair entlohnt.
  • Lokale Beschaffung: Lebensmittel, Transport und Material von kretischen Betrieben.
  • Guides wechseln über die Saisons zwischen Wander-, Kultur- und Kulinarik-Touren.

SDG 10 — Weniger Ungleichheiten

  • Rollstuhlgerechte Wandertouren mit geländegängigen Mobilitätshilfen.
  • Keine Preisdiskriminierung—das gleiche Erlebnis zum gleichen Preis.

SDG 11 — Nachhaltige Städte & Gemeinden

  • Touren meiden überfüllte Hotspots und richten den Blick auf weniger bekannte Orte.
  • Vereinbarungen zur Gewinnbeteiligung mit lokalen Gemeinschaften.
  • Mittagspausen ausschließlich in familiengeführten Tavernen, nicht in Ketten.

SDG 12 — Nachhaltiger Konsum & Produktion

  • Kein Einwegplastik auf allen Touren, mit bereitgestellten Mehrwegflaschen.
  • Mahlzeiten mit lokalen, saisonalen Zutaten von kretischen Höfen.

SDG 13 — Klimaschutz

  • Slow Travel: kleine Gruppen bewegen sich überwiegend zu Fuß und in Hybridfahrzeugen.
  • Gäste werden ermutigt, ihren Aufenthalt auf der Insel zu verlängern.

SDG 15 — Leben an Land

  • Wandern in Schutzgebieten nach den Leave-No-Trace-Prinzipien.

CRETAN® zeigt, dass ein Reiseveranstalter messbar zu mehreren SDGs zugleich beitragen kann—von menschenwürdiger Arbeit und weniger Ungleichheiten bis zu Klimaschutz und Leben an Land—und dient damit als praktischer Machbarkeitsnachweis.

Über den Autor

Ein Jahrzehnt lang drehte Steven Dokumentarfilme an Orten, die der Tourismus vergisst – seine Werke sind heute Teil des Archivs der UN-Arbeitsorganisation –, bevor er selbst an einem solchen Ort heimisch wurde. Derzeit absolviert er seinen Master in Responsible Tourism Management und ist Gründer von CRETAN®, das hier als gelebte Fallstudie dient.

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Quellen

  1. Vereinte Nationen. 2015. Transforming our world: the 2030 Agenda for Sustainable Development (A/RES/70/1) [Englisch]. Vereinte Nationen. https://sdgs.un.org/2030agenda (abgerufen am 9. Juli 2026).
  2. Vereinte Nationen. Sustainable Development Goals — targets and indicators (SDG 8.9, 12.b, 14.7) [Englisch]. Vereinte Nationen, Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten (UN DESA). https://sdgs.un.org/goals (abgerufen am 9. Juli 2026).
  3. UN Tourism (UNWTO). Tourism and the Sustainable Development Goals — tourism contributes to all 17 SDGs [Englisch]. World Tourism Organization. https://tourism4sdgs.org/ (abgerufen am 9. Juli 2026).
  4. UN Tourism (UNWTO) & UN Women. 2019. Global Report on Women in Tourism, Second Edition (Frauen = 54 % der Tourismusbelegschaft) [Englisch]. World Tourism Organization. https://www.e-unwto.org/doi/book/10.18111/9789284420384 (abgerufen am 9. Juli 2026).
  5. World Travel & Tourism Council (WTTC). 2026. Travel & Tourism Economic Impact 2025 (366 Mio. Arbeitsplätze, 10,9 % der Beschäftigung – mehr als jeder zehnte – im Jahr 2025) [Englisch]. WTTC, in Zusammenarbeit mit Oxford Economics. https://wttc.org/news/travel-tourism-sees-best-year-ever,-outpacing-the-global-economy-in-2025 (abgerufen am 9. Juli 2026).
  6. Gössling, S., Peeters, P., Hall, C. M., Ceron, J.-P., Dubois, G., Lehmann, L. V. & Scott, D. 2012. Tourism and water use: Supply, demand, and security. An international review. Tourism Management 33(1), 1–15 [Englisch]. Tourism Management (Elsevier). https://doi.org/10.1016/j.tourman.2011.03.015 (abgerufen am 9. Juli 2026).
  7. Lenzen, M., Sun, Y.-Y., Faturay, F., Ting, Y.-P., Geschke, A. & Malik, A. 2018. The carbon footprint of global tourism. Nature Climate Change 8, 522–528 [Englisch]. Nature Climate Change. https://www.nature.com/articles/s41558-018-0141-x (abgerufen am 9. Juli 2026).
  8. Sun, Y.-Y., Faturay, F., Lenzen, M., Gössling, S. & Higham, J. 2024. Drivers of global tourism carbon emissions. Nature Communications 15, 10384 [Englisch]. Nature Communications. https://www.nature.com/articles/s41467-024-54582-7 (abgerufen am 9. Juli 2026).
  9. UN Tourism (UNWTO). 2024. Statistical Framework for Measuring the Sustainability of Tourism (SF-MST) — vom Statistischen Ausschuss der Vereinten Nationen (55. Sitzung, 2024) als international vereinbarte Referenz zur Integration der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Dimensionen des Tourismus und zur Messung seines Beitrags zu den SDGs anerkannt [Englisch]. UN Tourism. https://www.untourism.int/tourism-statistics/statistical-framework-for-measuring-the-sustainability-of-tourism (abgerufen am 9. Juli 2026).
  10. Global Sustainable Tourism Council. 2025. GSTC Criteria — vier Säulen (nachhaltiges Management, sozioökonomische, kulturelle und ökologische Auswirkungen); Industry Standards v4.0, Dezember 2025 [Englisch]. GSTC. https://www.gstc.org/gstc-criteria/ (abgerufen am 9. Juli 2026).

Weiterführende Literatur

Unser redaktioneller Anspruch

Dies ist eine unabhängige Ressource, verfasst und kuratiert von Steven Keen. Als aktiver Gestalter eines verantwortungsvollen Tourismus auf Kreta absolviert er derzeit seinen Master in Responsible Tourism Management und ist GSTC- sowie ICRT-zertifiziert. Jede Statistik verweist direkt auf ihre Primärquelle, jede Seite trägt ein transparentes Aktualisierungsdatum. Wo sich eine Zahl nicht zweifelsfrei verifizieren lässt, machen wir dies kenntlich – anstatt zu spekulieren. Darüber hinaus legen wir unsere Verbindung zu CRETAN® offen, das uns hier als dokumentierte Fallstudie dient.

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