Verantwortungsvoller Tourismus & die UN-Nachhaltigkeitsziele: Wie Reisen den globalen Fortschritt vorantreibt
Tourismus ist nicht nur eine Branche — er ist ein mächtiges Werkzeug zur Erreichung der ambitioniertesten Ziele der Welt. Von der Beendigung der Armut bis zum Schutz der Ozeane berührt der Tourismus alle 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs). So funktioniert es.
Die Verbindung zwischen Tourismus und SDGs
2015 verabschiedeten alle 193 UN-Mitgliedstaaten die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung — einen universellen Plan für Frieden und Wohlstand. Im Mittelpunkt stehen 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs), die jeweils kritische Herausforderungen von Armut und Ungleichheit bis hin zu Klimawandel und Biodiversitätsverlust ansprechen.
Tourismus wird in drei SDG-Zielvorgaben ausdrücklich erwähnt:
- SDG 8.9 Bis 2030 Konzepte für einen nachhaltigen Tourismus erarbeiten und umsetzen, der Arbeitsplätze schafft und die lokale Kultur und lokale Produkte fördert.
- SDG 12.b Instrumente zur Überwachung der Auswirkungen eines nachhaltigen Tourismus, der Arbeitsplätze schafft und die lokale Kultur und lokale Produkte fördert, entwickeln und anwenden.
- SDG 14.7 Bis 2030 die wirtschaftlichen Vorteile für kleine Inselentwicklungsländer (SIDS) und die am wenigsten entwickelten Länder aus der nachhaltigen Nutzung der Meeresressourcen steigern, unter anderem durch nachhaltiges Management der Fischerei, Aquakultur und des Tourismus.
Aber drei Zielvorgaben kratzen nur an der Oberfläche. UN Tourism (ehemals UNWTO) identifizierte Tourismus als bedeutenden Beitrag zu allen 17 SDGs. Warum? Weil Tourismus einzigartig positioniert ist, um Veränderungen voranzutreiben:
- Er bindet Gemeinschaften direkt ein — von abgelegenen Dörfern bis zu Megastädten
- Er generiert Deviseneinnahmen, besonders für Entwicklungsländer
- Er schafft wirtschaftliche Anreize zum Schutz des Natur- und Kulturerbes
- Er fördert interkulturelles Verständnis und Frieden
- Er bietet niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten für Frauen, Jugendliche und marginalisierte Gruppen
Die Frage ist nicht, ob der Tourismus die SDGs beeinflusst — sondern ob diese Wirkung positiv oder negativ ist. Verantwortungsvoller Tourismus stellt sicher, dass sie positiv ist.
Wichtige SDGs, bei denen Tourismus den größten Unterschied macht
Während Tourismus alle 17 Ziele berührt, ist seine Wirkung in den folgenden Bereichen am direktesten und messbarsten. Jeder Abschnitt erklärt den Zusammenhang, liefert Praxisbeispiele und bietet bewährte Praktiken für Reisende und Veranstalter.
SDG 1: Keine Armut
Tourismus ist eine der wenigen Branchen, die Arbeitsplätze und Einkommen direkt in ländliche und Küstengemeinden bringen kann, in denen formelle Beschäftigung rar ist. Wenn Besucher in einem Bergdorf übernachten oder in einer familiengeführten Taverne essen, fließt Geld direkt zu den Menschen, die es am meisten brauchen.
Praxisbeispiele: Gemeindebasierter Tourismus in Nepal bringt Trekking-Einkommen in Himalaya-Dörfer. Strand-Ökotourismus auf Bali finanziert lokale Kooperativen. Agrotourismus auf Kreta verbindet Landwirte mit Reisenden, die direkt von ihnen kaufen.
Bewährte Praktiken: Lokal einstellen. Lokale Beschaffung für Lebensmittel, Materialien und Dienstleistungen priorisieren. Faire Löhne über dem regionalen Minimum zahlen. Gemeinschaftliche Unternehmen unterstützen, statt konkurrierende Betriebe aufzubauen.
SDG 5: Geschlechtergleichstellung
Frauen machen laut UN Tourism 54% der globalen Tourismusbelegschaft aus, wobei ihre Vertretung je nach Region erheblich variiert und sie überproportional in geringer qualifizierten, schlechter bezahlten Positionen konzentriert sind. Im Jahr 2019 hatten Frauen weltweit etwa 39-40% der Arbeitsplätze im Tourismus inne, was dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt entspricht. Verantwortungsvoller Tourismus arbeitet aktiv daran, dies zu ändern, indem er Führungschancen schafft und gleiche Vergütung sicherstellt.
Praxisbeispiele: Von Frauen geführte Pensionen in Marokko bieten unabhängiges Einkommen und sozialen Status. Weibliche Safari-Guides in Kenia stellen traditionelle Geschlechterrollen in Frage und bieten gleichzeitig außergewöhnliche Besuchererlebnisse. Frauenhandwerkskooperativen in Guatemala schaffen wirtschaftliche Unabhängigkeit durch Kunsthandwerkstourismus.
Bewährte Praktiken: Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit sicherstellen. Wege in Führungs- und Managementpositionen schaffen. Sichere Arbeitsumgebungen frei von Belästigung aufrechterhalten. Von Frauen geführte Tourismusunternehmen unterstützen und fördern.
SDG 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
Tourismus macht weltweit etwa jeden zehnten Arbeitsplatz aus. Aber Arbeitsplatzschaffung allein reicht nicht — die Qualität dieser Arbeitsplätze zählt. Saisonale, informelle oder ausbeuterische Tourismusbeschäftigung fördert die SDGs nicht. Menschenwürdige Arbeit bedeutet stabile Beschäftigung, faire Löhne und Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung.
Praxisbeispiele: Ganzjährige Beschäftigungsprogramme in Nebensaison-Destinationen reduzieren den Boom-und-Bust-Zyklus. Kompetenzaufbauprogramme im Gastgewerbe schaffen Karrierewege statt Sackgassen. Fair-Trade-Tourismus-Zertifizierung (wie Fair Trade Tourism in Südafrika) stellt sicher, dass Betreiber Arbeitsstandards einhalten.
Bewährte Praktiken: Dauerverträge statt reiner Saisonbeschäftigung anbieten. In Mitarbeiterschulung und berufliche Entwicklung investieren. Existenzsichernde Löhne zahlen, nicht nur Mindestlöhne. Lokale Handwerker und Zulieferer als Teil der touristischen Wertschöpfungskette unterstützen.
SDG 10: Weniger Ungleichheiten
Tourismus kann Gräben überbrücken — zwischen Stadt- und Landwirtschaft, zwischen wohlhabenden Besuchern und einkommensschwachen Gemeinschaften, zwischen Reisenden ohne Einschränkungen und Menschen mit Behinderungen. Aber er kann sie auch vertiefen, durch Gentrifizierung, Vertreibung und Ausgrenzung. Der Unterschied liegt darin, wie Tourismus gestaltet und gemanagt wird.
Praxisbeispiele: Barrierefreier Tourismus für Menschen mit Behinderungen öffnet Reiseziele für Millionen zuvor ausgeschlossener Reisender. Indigener Tourismus in Kanada (wie in Klemtu, British Columbia) stellt sicher, dass First-Nations-Gemeinschaften ihre eigenen Narrative kontrollieren und wirtschaftlich profitieren.
Bewährte Praktiken: Tourismuserlebnisse von Anfang an mit barrierefreiem Zugang gestalten — nicht als nachträglichen Gedanken. Gerechte Nutzenverteilung zwischen Betreibern und Gemeinschaften sicherstellen. Tourismusbedingte Vertreibung und Gentrifizierung aktiv verhindern. Marginalisierte Gruppen in Tourismusplanung und Entscheidungsfindung einbeziehen.
SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden
Tourismus kann Stadtviertel beleben, öffentliche Infrastruktur finanzieren und kulturelle Identität feiern. Er kann auch Overtourismus verursachen — Bewohner überfordern, öffentliche Räume degradieren und Wohnraum in Ferienwohnungen umwandeln. Nachhaltige Städte brauchen Tourismusmanagement, das die Bewohner an erste Stelle setzt.
Praxisbeispiele: Amsterdams bewohnerzentrierte Tourismuspolitik lenkt Besucher in weniger besuchte Stadtteile. Die Fußgängerzonen historischer Stadtzentren (wie in Dubrovnik und Ljubljana) verbessern die Lebensqualität für Bewohner und Besucher gleichermaßen. Kommunale Tourismusfonds in Venedig leiten Tourismuseinnahmen direkt in lokalen Wohnungsbau und Dienstleistungen.
Bewährte Praktiken: Destinationsmanagementpläne mit echter Bürgerbeteiligung entwickeln. Besucherobergrenzen in Spitzenzeiten einführen. Tourismuseinnahmen direkt in öffentliche Dienstleistungen investieren — ÖPNV, Parks, Abfallentsorgung. Verteilung in weniger besuchte Gebiete fördern, statt Besucher auf Hotspots zu konzentrieren.
SDG 12: Verantwortungsvoller Konsum und Produktion
Tourismus verbraucht enorme Mengen an Wasser, Energie, Lebensmitteln und Materialien. Ein einzelnes Resort kann pro Tag mehr Wasser verbrauchen als ein ganzes Dorf. Verantwortungsvoller Konsum im Tourismus bedeutet die Übernahme von Kreislaufwirtschaftsprinzipien — Abfall an der Quelle reduzieren, Materialien wiederverwenden und lokal beschaffen.
Praxisbeispiele: Hotels, die Einwegplastik eliminieren und auf Großspender umstellen. Farm-to-Table-Restaurants, die ausschließlich von lokalen Produzenten beziehen. Zero-Waste-Unterkünfte auf den Azoren. Öko-Lodges, die vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden.
Bewährte Praktiken: Abfall-, Wasser- und Energieverbrauch messen und öffentlich berichten. Lebensmittel wo immer möglich lokal und biologisch beziehen. Pflanzenbasierte und vegetarische Menüoptionen als Standard anbieten, nicht als Ausnahme. Kreislaufwirtschaftsprinzipien übernehmen — reparieren, wiederverwenden und recyceln vor dem Entsorgen.
SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz
Der Tourismus ist für geschätzte 8-11% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, wobei die Luftfahrt den Löwenanteil ausmacht. Dies ist die unbequemste Wahrheit für die Reisebranche: Der bloße Akt des Reisens über große Entfernungen trägt zur Klimakrise bei. Verantwortungsvoller Tourismus stellt sich dieser Tatsache ehrlich.
Praxisbeispiele: Bahnreise-Kampagnen quer durch Europa ermutigen Besucher, Flüge zugunsten von Überlandreisen zu überspringen. Verifizierte CO₂-Kompensationsprogramme finanzieren Aufforstung und erneuerbare Energieprojekte. Solarbetriebene Unterkünfte eliminieren die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Slow-Travel-Bewegungen ermutigen zu längeren Aufenthalten an weniger Reisezielen.
Bewährte Praktiken: Kohlenstoffarmen Transport priorisieren — Züge, Busse, Radfahren, Wandern. Kurzstreckenflüge reduzieren und Überlandalternativen fördern. Betreiber unterstützen, die klimaneutral sind oder aktiv ihre Emissionen reduzieren. Langsam reisen: Länger bleiben, weniger häufig reisen, tiefer erkunden.
SDG 14: Leben unter Wasser
Küsten- und Meerestourismus ist die wirtschaftliche Lebensader kleiner Inselentwicklungsländer (SIDS) und vieler Küstengemeinden. Gut gemacht, finanziert er den Meeresschutz und schafft wirtschaftliche Alternativen zur Überfischung. Schlecht gemacht, schädigt er genau die Ökosysteme, die Besucher kommen, um zu sehen.
Praxisbeispiele: Meeresschutzgebiete, die durch Tauchgebühren in Palau und Bonaire finanziert werden, verbinden Tourismuseinnahmen direkt mit Meeresschutz. Nachhaltige Walbeobachtungsanbieter in Island und auf den Azoren halten strenge Abstands- und Zeitlimits ein, um Störungen zu minimieren. Rifffreundliche Sonnencreme-Regelungen in Hawaii und Palau schützen Korallenökosysteme.
Bewährte Praktiken: Beim Schnorcheln oder Tauchen in Korallennähe Nicht-Berühren-Regelungen befolgen. Nur rifffreundliche, mineralbasierte Sonnencreme verwenden. Meeresschutzgebiete durch Eintrittsgebühren und Spenden unterstützen. Zertifizierte Tauchbetreiber wählen, die verantwortungsvolle Interaktionsrichtlinien befolgen.
SDG 15: Leben an Land
Naturbasierter Tourismus schafft starke finanzielle Anreize zum Schutz von Wäldern, Feuchtgebieten, Bergen und Wildtieren. Wenn ein Nationalpark Einnahmen durch Besucher generiert, haben Regierungen einen wirtschaftlichen Grund — nicht nur einen ethischen — ihn zu schützen. Aber Tourismus muss sorgfältig gesteuert werden, um die Natur nicht zu Tode zu lieben.
Praxisbeispiele: Nationalpark-Eintrittsgebühren in Costa Rica und Kenia finanzieren Ranger-Patrouillen und Habitatrestaurierung. Gemeinschaftliche Schutzgebiete in Namibia geben lokalen Gemeinschaften direkte Kontrolle über Wildtiermanagement und Tourismuseinnahmen. Aufforstungs-Tourismusprogramme laden Besucher ein, im Rahmen ihrer Reise Bäume zu pflanzen. Wildtierkorridore in Indien verbinden fragmentierte Lebensräume, teilweise finanziert durch Ökotourismus.
Bewährte Praktiken: Auf markierten Wegen bleiben, um empfindliche Ökosysteme nicht zu stören. Öko-Lodges und Parks unterstützen, die Einnahmen in den Naturschutz reinvestieren. Schädliche Wildtierinteraktionen vermeiden — keine Elefantenritte, keine Berührung wilder Tiere, keine Tiershows in Gefangenschaft. Naturschutztourismus suchen und finanzieren, der direkt zum Habitatschutz beiträgt.
Die Auswirkungen des Tourismus auf die SDGs messen
Behauptungen ohne Daten sind nur Marketing. Wenn der Tourismus einen bedeutsamen Beitrag zu den SDGs leisten soll, muss seine Wirkung gemessen, berichtet und unabhängig überprüft werden. Mehrere Rahmenwerke helfen dabei:
WTTC Economic & Social Reporting (ESR)
Der World Travel & Tourism Council erfasst CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch, Abfallaufkommen und Beschäftigungsprofile in über 180 Ländern. Ihre jährlichen Berichte bieten Benchmarks, an denen Destinationen und Betreiber ihren Fortschritt messen können.
Global Sustainable Tourism Council (GSTC) Kriterien
Der GSTC legt die globalen Mindeststandards für Nachhaltigkeit im Reise- und Tourismussektor fest. Ihre Kriterien umfassen vier Säulen: nachhaltiges Management, sozioökonomische Auswirkungen, kulturelle Auswirkungen und Umweltauswirkungen. GSTC-akkreditierte Zertifizierungsprogramme (wie EarthCheck, Green Globe und Travelife) überprüfen, ob Betreiber diese Standards einhalten.
SDG-orientierte Indikatoren für den Tourismus
Über allgemeine Rahmenwerke hinaus können spezifische Indikatoren den Beitrag des Tourismus zu einzelnen SDGs verfolgen:
- SDG 5 Anteil der Frauen in Tourismusmanagement und Führungspositionen
- SDG 8 & 10 Anteil der Tourismuseinnahmen, die in der lokalen Wirtschaft verbleiben (vs. Abfluss an ausländische Betreiber)
- SDG 13 CO₂-Emissionen pro Übernachtung — einschließlich Transport, Unterkunft und Aktivitäten
- SDG 14 & 15 Anzahl und Umfang der durch Tourismuseinnahmen unterstützten Schutzgebiete
Wie Reiseveranstalter sich an den SDGs ausrichten können
Sie müssen nicht alle 17 Ziele ansprechen. Beginnen Sie mit denen, die für Ihren Betrieb und Ihre Destination am relevantesten sind. Hier ist ein praktisches Vier-Schritte-Rahmenwerk:
Identifizieren Sie Ihre Prioritäts-SDGs
Wählen Sie 3-5 SDGs, bei denen Ihr Unternehmen die bedeutsamste Wirkung erzielen kann. Ein Küstentauchbetreiber könnte sich auf SDG 14 (Leben unter Wasser), SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit) und SDG 13 (Klimaschutz) konzentrieren. Ein Wanderunternehmen in den Bergen würde SDG 15 (Leben an Land), SDG 1 (Keine Armut) und SDG 12 (Verantwortungsvoller Konsum) priorisieren.
Setzen Sie messbare Ziele
Vage Bestrebungen bewirken keine Veränderung. Setzen Sie spezifische, terminierte Ziele, die Sie verfolgen können:
- CO₂-Emissionen pro Reise bis 2027 um 20% reduzieren
- Bis 2028 50% Frauen in Führungspositionen erreichen
- Bis Ende 2027 80% der Lebensmittel von lokalen Produzenten beziehen
- Alle Einwegplastik innerhalb von 12 Monaten aus dem Betrieb eliminieren
Umsetzen und Kommunizieren
Schulen Sie Ihr Personal zu Ihren SDG-Verpflichtungen — sie sind Ihre Botschafter an vorderster Front. Berichten Sie jährlich über den Fortschritt, auch wenn die Zahlen nicht perfekt sind (Transparenz schafft Vertrauen). Teilen Sie Geschichten mit Ihren Gästen: Wenn Besucher verstehen, warum Sie Lebensmittel lokal beziehen oder Gruppengrößen begrenzen, werden sie selbst zu Botschaftern für verantwortungsvollen Tourismus.
Zusammenarbeiten
Kein einzelner Veranstalter kann die SDGs allein erreichen. Schließen Sie sich Initiativen wie Tourism Declares a Climate Emergency an, um Engagement zu signalisieren und auf gemeinsame Ressourcen zuzugreifen. Arbeiten Sie mit lokalen NGOs und Naturschutzorganisationen zusammen. Beteiligen Sie sich an den SDG-Planungsprozessen Ihrer Destination — wenn Betreiber, Regierungen und Gemeinschaften an einem Strang ziehen, wird systemischer Wandel möglich.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Tourismus auf SDG-Ziele abzubilden ist nützlich, aber der wahre Test ist, ob ein Veranstalter diese Ziele in der Praxis umsetzen kann — messbare Beiträge leisten und gleichzeitig ein tragfähiges Geschäft betreiben. Die folgende Fallstudie zeigt, wie ein Projekt auf Kreta genau das tut.
Fallstudie: CRETAN (Kreta, Griechenland)
In den Bergen Kretas hat eine lokale Initiative namens CRETAN Massenbus-Tourismus durch Kleingruppen- und lokal geführte Naturerlebnisse ersetzt. So tragen ihre Aktivitäten zu konkreten Nachhaltigkeitszielen bei:
- SDG 8 — Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
- Alle Guides sind lokale Kreter, die zu fairen Löhnen beschäftigt werden. Eine lokale Beschaffungspolitik stellt sicher, dass Lebensmittel, Transport und Materialien von kretischen Unternehmen stammen. Guides wechseln saisonübergreifend zwischen Wander-, Kultur- und Kulinariktouren.
- SDG 10 — Weniger Ungleichheiten
- Rollstuhlgerechte Wandertouren mit Geländemobilitätshilfen machen Kretas Schluchten und Küsten für Reisende mit Behinderungen zugänglich. Keine Preisdiskriminierung — dasselbe Erlebnis zum selben Preis, unabhängig von der Mobilität.
- SDG 11 — Nachhaltige Städte und Gemeinden
- Touren meiden bewusst überfüllte Hotspots und lenken Besucher zu weniger bekannten Dörfern und Wegen. Gewinnbeteiligungsvereinbarungen mit lokalen Gemeinschaften finanzieren öffentliche Infrastruktur. Mittagspausen ausschließlich in familiengeführten Tavernen, nicht in Kettenrestaurants.
- SDG 12 — Verantwortungsvoller Konsum und Produktion
- Null Einwegplastik auf allen Touren. Alle Mahlzeiten mit lokalen, saisonalen Zutaten von kretischen Bauernhöfen. Wiederverwendbare Wasserflaschen für jeden Gast.
- SDG 13 — Maßnahmen zum Klimaschutz
- CO₂-Kompensationsprogramm finanziert lokale Projekte auf Kreta. Slow-Travel-Philosophie: Kleine Gruppen reisen zu Fuß und mit lokalen Verkehrsmitteln, nicht mit motorisierten Fahrzeugen. Gäste werden ermutigt, ihren Aufenthalt zu verlängern und tiefgründig zu erkunden, statt zwischen Zielen zu hetzen.
- SDG 15 — Leben an Land
- Wandertouren in Natura-2000-Schutzgebieten nach Leave-No-Trace-Prinzipien. Partnerschaften mit lokalen Naturschutz-NGOs finanzieren kretische Wildtier- und Habitatschutzprogramme.
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